Top of the Goth (2) 1/3

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Eigennützige Handlungen

Nach dem ersten Teil ahnte ich bereits das es irgendwann um „Top of the Goth (2) – Bücher“ gehen würde und ich hoffte das der Kelch an mir vorüber geht.
Warum? Ich gerne lese, keine Frage, jedoch tue ich mich mit Rezensionen extremst schwer … ergo Augen zu und durch *smile*.

Ich muss zugeben das ich erst seit ca. 1/2 Jahr wieder intensiver in Büchern schmöckere … „früher“ habe ich sehr viel gelesen, das schwappte dann ab als ich mich mehr mit Fachbüchern auseinander setzen musste (beruflich bedingt) sodass ich in der Freizeit einfach keine Lust mehr hatte. Der überweigende Teil meiner Bücher steht daher schon seit Jahrzehnten im Regal. Nun aber genug der Vorrede …

Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozess im Mittelalter – Joseph Hansen

Das Buch welches ich aktuell lese ist Joseph Hansen’s „Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozess im Mittelalter“. Erstmals wurde das Buch 1900 veröffentlicht. Jospeh Hansen war dt. Historiker und Archivar und hatte seinen Schwerpunkt auf die Erforschung des Hexenwahns sowie der Inquisition gelegt.

Hansen erzählt in diesem Buch mit viel Liebe zum Detail und einer enormen Kraft „Wie“ und „Warum“ das Christentum das Maleficium[1] und die Striga[2] so umbarmherzig verfolgte und geht dabei weit in die Vorgeschichte zurück, denn Zauber- und Hexenwahn sind keine Erfindung des Christentums. Die Wurzeln liegen bereits in den griechisch-römischen, jüdisch-orientalischen und keltisch-germanischen Kulturen, das gibt dem Leser die Möglichkeit die Entwicklung & Enstehung der Hexenverfolgung zu verstehen. Ebenso intensiv beschreibt Hansen die Rolle der Scholastik[3] bei der Rechtfertigung der Verfolgungen. Grosse Denker wie Albertus Magnus oder Thomas von Aquin packten den Hexenwahn in eine wissenschaftliche Hülle und schufen so u.a. die Rechtfertigung für die Verfolgungen durch die weltlichen Gerichte. Besonders dadurch erlangte die Hexenverfolgung zu ihrer Stärke. Ein faszinierendes, spannendes und erschreckendes Buch und für jeden der sich für diesen Abschnitt der Geschichte interessiert ein „must-to-read“. Ein kleiner Auszug:

…Solange der trübe Wahn des Dämonismus herrschte und seine feste Grundlage in jener mythologischen, vom Menschen und von der Erde als Mittel- und Richtpunkten der Welt ausgehenden Geistesrichtung besaß, ist er auch die Ursache von Bestrafungen und Verfolgungen solcher Menschen gewesen, denen man eine Betätigung auf diesem Gebiete, vor allem den Verkehr mit den Dämonen zu einem ihre Mitmenschen schädigenden Zwecke, nachsagte…

Satt. Sauber. Sicher – Dirk Bernemann

es Buch was noch nicht komplett durchgelesen ist (jap, hin und wieder lese ich bis zu 3 Büchern gleichzeitig), ist „Satt. Sauber. Sicher.“ von Dirk Bernemann. In der Vita auf seiner Homepage liest man u.a.: „…Die deutsche Sprache ist für den Herr Bernemann ein Fahrzeug mit dem er in alle Regionen menschlichen Empfindens einfahren kann…“. Ich finde das passt wie die Faust auf’s Auge, gerade im Bezug auf das genannte Buch.

Äusserst böse, unverblümt und an der Grenze meines Geschmackempfindens zeigt Bernemann dem Leser wie die „typisch dt. Durchschnittsfamilie“ vor sich hin vegetiert. Abgründe in Familien und Beziehungen tun sich auf, von Isolation und Distanz des menschlichen Daseins ist die Rede, und ich frage mich ob es dies tatsächlich „real“ gibt. Doch sowas gibt es wirklich (wenn auch hin und wieder überzogen), denke ich beim lesen. Eigentlich ein Schlag ins Gesicht für jemanden wie mich der sich schwer vorstellen kann, wie dreckig und asozial, die sonst so glänzenden Strukturen, hinter den selbsterschaffenden Fassaden aussehen. Es fällt schwer dieses Buch beiseite zu legen von dem eine unglaubliche Faszination ausgeht, sei es nun aus Neugierde, Voyeurismus oder Identifaktion. Ein kleiner Auszug:

…Er ist das Produkt aus kaputten Wahrnehmungsfiltern und zerbröselndem Sein. Zwischen Streben und Sterben. Er fühlt sich wie eine Aspirintablette, die schon im Wasserglas sprudelt, sich auflöst und doch kein Unheil beseitigen kann…

Die Stadt der Träumenden Bücher – Walter Moers

Ich liebe die Bücher rund um Zamonien von Walter Moers und ganz besonders „Die Stadt der Träumenden Bücher“ ein Roman aus der Feder Hildegunst von Mythenmetz, den Moers aus dem Zamonischen übertragen hat. Der Unterschied zwischen Geschichten von Moers und anderen Autoren ist besonders in dem Satz „Dann wurde mir schwarz vor Augen“ ersichtlich, denn nicht nur dem Helden wurde schwarz vor Augen sondern auch dem Leser, in dem Moers zwei vollkommen schwarz gedruckte Seiten auftauchen lies und das ist nicht die einzige wirkungsvolle Veranschaulichung in diesem Buch, ob nun immer kleiner oder grösser werdende Schriften oder die äusserst gelungenen, von Moers gezeichneten Bilder.

Als der Pate des jungen Dichters Hildegunst von Mythenmetz stirbt, hinterlässt er seinem Schützling ein Manuskript. Dieses aber ist so makellos, daß Mythenmetz sich gezwungen sieht, dem Geheimnis seiner Herkunft nachzugehen. Die Spur führt nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher. Man wird konfrontiert mit brutalen Bücherjägern, unheimlichen Leuchtquallen, einäugigen Buchlingen, Harpyren und Spinxxxen, lebenden Bücher und dem geheimnisvollen Schattenkönig. Moers Kreativität kennt keine Grenzen und nimmt den Leser mit auf eine phantastische, verrückte und dennoch glaubwürdige Reise, die nichts für „Vollblutrealisten“ ist. Man sollte sich schon auf diese Geschichte einlassen können, denn nur so kann man diese Buch in vollen Zügen geniessen. Ein kleiner Auszug:

Ja, wenn ein Buch lebt und sich bewegt, dann kann man es auch töten, das klingt logisch, nicht wahr? Ich hatte meine Lektion in dieser gnadenlosen Unterwelt gelernt … Ich erwischte eins von den fliegenden Büchern mitten in der Luft, mit einem kraftvollen Hieb meiner Pranke. Die Blätter flogen gleich büschelweise durch die Gegend, bevor seine Überreste zu Boden klatschten, wo ich sie mit einem beherzten Tritt zerquetschte…

ES – Stephen King

tweder man mag ihn oder man mag ihn nicht … ich gehöre zur erst genannten Fraktion. Als „ES“ von Stephen King 1986 herauskam wurde das Buch mir von einer Freundin empfohlen. Zunächst schreckten mich die 860 Seiten und die 24,80 DM(!) ab, jedoch lohnte sich jede einzelne Seite und die Investition. Horror vom Feinsten … und ein Buch welches ich trotz vergilbter, abgenutzter Seiten gerne wieder zur Hand nehme, auch wenn ich dadurch ein paar Einschlafprobleme bekomme *smile*.

Das Böse in Gestalt eines namenlosen Grauens versetzt eine kleine amerikanische Stadt in Angst und Schrecken. Die unheimliche Mordserie reisst nicht ab. Mike Hanlon und seine Freunde halten ihren Schwur, den sie vor 25 Jahren getan haben: ES zu bekämpfen und das Grauen zu beenden … wie King das Böse in seiner Art und Weise personifiziert ist schon  einmalig. Die Menschen und die Orte sind so detailiert beschrieben und tiefgehend, dass man ständig das Gefühl hat als unsichtbarer Beobachter dabei zu sein. Allein die Erschaffung der Kreatur Pennywise ist genial … ich hatte wochenlang einen Bogen um Abflüsse gemacht bereits während ich den Schinken las! Dennoch geniesst man diesen Roman und ist auf eine seltsame Weise gefangen in den Zeitsprüngen und vom Bösen, das über Tausende Jahre im Hintergrund lauert und die Geschichte alle 25 Jahre verändert. Ein kleiner Auszug:

Er wollte nur noch eins – so schnell wie möglich aus der Bücherei herauskommen. Er blickte hoch. Der Clown war verschwunden. Ebenso der Vampir. Aber an das niedrige Treppengeländer war ein Luftballon gebunden. Auf der blauen Kugel standen die Worte: ICH WÜNSCHE EINEN SCHÖNEN TAG! HEUTE NACHT STIRBST DU!

BTW, die Verfilmung von 1990 ist nicht so gut gelungen, es fehlt der tiefgehende Horror den das Buch vermittelt gänzlich … bis auf Tim Curry als „Pennywise“, den er brilliant spielte *grusel*.

Sieben Jahre mit Garg – ASP & Ingo Römling

Ich gehöre eigentlich nicht zur Comic-Fangemeinde, früher habe ich ab und an mal Donald Duck durchgeblättert, das war es schon. Als es die ersten Lesenproben von „Sieben Jahre mit Garg“ von ASP und Ingo Römling im Netz zu lesen gab war ich sofort hin und weg. Seit dem letzten Jahr gibt es den Comic auch in Buchform und es enthält sämtliche in den Jahren 2007 bis 2010 geschaffene Geschichten und Zeichnungen der Figuren Benni und Garg.

Was würden Sie tun, wenn Sie eines Tages ein zuckersüsses, schnuckliges Wesen vor Ihrer Tür fänden, welches sich als kleines Monstermädchen heraus- und ihren Alltag kräftig auf den Kopf stellt? Das Buch enthält zudem einen redaktionellen Sonderteil, den ASP dafür persönlich verfasst hat, sowie die abgeschlossene Zusatzgeschichte „Der Findetag“, komplett in Farbe. Für mich haben ASP und Ingo Römling ein Meisterwerk geschaffen, welches inzwischen Kult Status erlangt hat. Man sollte sich dennoch genau überlegen, wem man Garg und Benny zu lesen gibt. Jenni beruft sich hin und wieder auf das kleine Monstermädchen, wenn es um’s „zu Bett gehen“ geht und meint: „Ich bin nicht müde, ich bin NACHTAKTIV!“ *smile* … „Sieben Jahre mit Garg“ ist für mich ein absolutes „must have“ und sollte in keinem Bücherregal fehlen. Ein kleiner Auszug ist rechts zu finden.

Ursprünglich wollte ich alles in einem Rutsch fertig machen … nachdem ich festgestellt habe wie lang allein die Top 5 schon geworden ist, habe ich mich entschlossen die 2 zusätzlichen Bücher (etwas „Heimatverbundenheit“ sei mir gestattet *smile*) und die Bonusrunde je einen extra Beitrag zu widmen. In diesem Sinne: Fortsetzung folgt …

  1. Mit Zauber verbundenes Verbrechen
  2. Mit bösen Mächten verbündete, nachfahrenden Frau
  3. Die wissenschaftliche Denkweise & Methode der Beweisführung die in der Gelehrtenwelt des Mittelalters entwickelt wurde

2 Gedanken zu „Top of the Goth (2) 1/3

  1. Ich bin (noch) nicht so ganz „Fan“ von Hörbüchern, bzw. habe mich da nocht nicht rangetraut (irgendwie brauche ich eine „Hardcopy“ in den Händen) … vielleicht ist Dirk Bach als „Vorleser“ ein wirklicher Anreiz mich an Selbige mal zu wagen.

    Ich habe keine passendere Beschreibung zu Moers Büchern wie Du sie in Deinem Kommentar beschrieben hast … ergo stimme ich Dir ohne mit der Wimper zu zucken sowas von zu :)

  2. Von den Zamonien-Meisterwerken habe ich zwar bis jetzt kein einziges Buch gelesen. Doch sie begleiteten mich als Hörbücher innerhalb von zwei Jahren langwieriger Pendelei mit der Deutschen Bahn.

    Dirk Bach las ebenso genial wie Moers schrieb. Und egal wie fertig oder übermüdet ich mit dem Kopf gegen der Wagonfensterschreibe lehnte, ich konnte bei den Geschichten nicht einschlafen. Aber dennoch perfekt abschalten.
    Grandiose bildhafte Umschreibung deren Kritik zur Überladung ich zwar nachvollziehen kann, aber niemals als Negativ angesehen hätte. Denn gerade das machte die Bücher aus.
    Moers wirft nicht einfach nur Namen in die Handlung, reißt kurz das Umfeld an und überlässt den Leser anschließend seinem Schicksal einer mehr oder weniger lebhaften Phantasie.
    Er skizziert nicht nur, er malt jenes Stück Handlung derart detailliert aus, dass man nicht anders kann, als sein Kopfkino vor der Überhitzung zu schützen. Großartige Literatur.

Kommentare sind geschlossen.