13. Mrz. 2010 | stoffel in Von Wasser umgebenes Stück Land | Tags: Helgoland
Wie ich im ersten Beitrag über die Insel schrieb, nimmt Helgoland durch seine Lage eine besondere Stellung ein. Auch die Entstehung der Insel ist alles andere als “gewöhnlich”, hierzu muss ich allerdings etwas weiter ausholen. Denn um die Entstehung der Insel zu verstehen muss auch der geologische[1] Gesichtspunkt mit einbezogen werden.
Eine Frage von vielen eines jeden Besuchers der Insel ist: “Warum steht hier ein roter Fels mitten im Meer und isoliert vom Festland?”. Für mich als Kind übrigens etwas völlig normales von Touristen solche Fragen gestellt zu bekommen. Meine Antwort damals: “Weil ein Riese einen Felsblock ins Meer schmiss”. Natürlich was das eine der vielen Legenden um die Insel, geglaubt wurde es von den Touristen natürlich nicht oder doch? *smile*.
Dafür reise ich mit Euch ein paar Millionen Jahre in die Vergangenheit. In der Perm Zeit[2] kam es in einem Meerbecken zu Ablagerungen von Salzmassen. Diese massiven, bis zu 500m dicken Salzschichten wurden später mit über 1.000m Gestein aus Ton, Sand und Kalk überlagert[3]. Der Bundsandstein ist heute der sichtbarste dieser Ablagerungen, die einzelnen Schichten sind in der Grafik rechts gut zu erkennen. In der Jura und Tertiär Zeit kam es in Norddeutschland zu Bewegungen der Erdkruste. Durch diese Bewegungen reagierten die Salzmassen unter den 1.000m dicken Gesteinen und stiessen an den Schwächezonen nach oben. Die dadurch aufsteigenden Salzmassen “beulten” die überlagerten Gesteinschichten auf oder durchbrachen sie teilweise.
Geologen vermuteten das diese Salzbewegungen das “Aufbeulen” des Bundsandstein-Felsens der Grund für die Entstehung der Insel sei. Dies wurde jedoch erst 1938 durch eine Tiefbohrung auf der Insel bewiesen. Aus der Altersfolge der Schichten, ihrem bogenförmigen Verlauf und der schrägen Lagerung (wie man links im Bild gut erkennen kann) geht hervor, dass die Gesteinschichten ein weit gespanntes Gewölbe darstellten und der aus Buntsandstein bestehende Inselkern den Höhepunkt bildete. Der Vorgang der Aufwölbung begann spätestens zur Zeit der Oberkreide[4] und war mit dem Ende der Tertiär Zeit[5] überwiegend abgeschlossen. Zu dieser Zeit war Helgoland ein leicht geneigtes, zweiteiliges Bergmassiv auf dem Festland.
Die Entwicklung zur heutigen Insel begann erst vor ca. 10.000 Jahren. Als sich die Gletscher der Saale-Vereisung[6] zurückzogen, lag die Nordsee trocken. Das Gebiet von Helgoland bestand aus zwei Tafelbergen, einem westlichen aus Buntsandstein und einem östlichen aus Muschelkalk und Kreide. Zwischen diesen Bergen erstreckte sich ein tiefes Tal. Nach weiterem Abschmelzen und Rückzug der Eismassen stieg der Meeresspiegel, die Nordsee rückte Richtung Süden und es erfolgte die Loslösung vom Festland[7]. Das Steigen der Fluten bewirkte das die weichen Kreide Schichten zerstört wurden und sich mit dem Buntsandstein und Muschelkalk relativ widerstandsfähige Steilküsten bildeten. Das Meer drang in das Tal zwischen dem roten und weissen Felsen, zerstörte diese Verbindung jedoch nicht gänzlich. Diese Verbindung wurde “Woal” (Wall) genannt, der weisse Muschelkalkfelsen “Witte Kliff” (Weisser Felsen).
Während des nun folgenden Stillstandes des Meeresspiegelanstieges sind trotzdem Verluste entstanden, denn die einwirkende Brandung zerstörten den roten Buntsandstein und die weissen Felsen der Dünenklippen weiter. Etwa 6.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung erreichte die Nordsee die heutige Küstenlinie und aus dem ehemaligen Bergmassiv Helgoland ist durch die zerstörerische Brandung und durch Verwitterungen die heutige Insel entstanden.
Anfang des 18. Jahrhunderts gab es nur noch 2 Einzelfelsen aus Muschelkalk die 1711 durch eine Sturmflut vernichtet wurden. In der Neujahrsnacht 1720/21 zerstörte schliesslich eine gewaltige Sturmflut den “Woal” (Wall). Durch diesen Durchbruch und den Gezeitenstrom blieb letztendlich nur noch eine ca. 6 Hektar grosse Sanddüne[8] übrig.
Seit etlichen Jahrhunderten greift der Mensch durch Bau von Schutzmauern in die natürlichen geologischen Vorgänge ein. Ab 1911 entstand eine Schutzmauer als Bollwerk gegen die Brandung. Die Brandungskehle ist dadurch stillgelegt worden, aber die Verwitterung geht weiter. Die Gesteine zwischen Mauer und Steilküste zeigen, wie hoch seit dem Bau der Mauer diese Halden gewachsen sind (im Bild rechts gut zu erkennen). Die Brandung kann das Gestein durch die Mauer nicht mehr abtragen, dadurch wird die Insel in wenigen Jahrhunderten im eigenen Schutt “ertrinken”. Zwar tat der Mensch durch den Bau dieser Schutzmauer etwas zum Erhalt, doch opfert er damit auch die natürliche Gestalt der Insel.
Auch wenn die Insel wie man sie heute kennt durch Menschenhand entstanden ist, sollte man nie vergessen was sie vordem war: Eine Insel aus uraltem Sandstein und ein einzigartiges Dokument der Natur.
Bildquellen:
Gesteinschichten/von mir photographiert und nachbearbeitet aus dem Buch “Helgoland”, 1987 Carl W. Dingwort Verlag,
Lange Anna/flickr.com, Helgoland Düne/flickr.com, 2008 41 Helgoland 079/flickr.com
- Ich bin kein Geologe, aus diesem Grund half mir folgendes Buch bei der Recherche: “Helgoland”, 1987 Carl W. Dingwort Verlag
- Vor ca. 250 Millionen Jahren
- Während der Trias Zeit, vor ca. 220 Millionen Jahren
- Vor ca. 100 Millionen Jahren
- Vor ca. 1,8 Millionen Jahren
- Eiszeit, vor ca. 230.000 bis 130.000 Jahren
- Vor ca. 4.000 Jahren
- Die Düne wurde später auf 50 Hektar aufgespült


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