6. Apr. 2010 | stoffel in Zustand des Tätigseins | Tags: Booz
Der Dienstag (16.03.) brachte einige Überraschungen und Erfahrungen mit sich. Wie verabredet trafen Barbara und meinereiner uns zum Frühstück. Und hier startete die erste Überraschung. Frühstücks-Buffets habe ich schon einige gesehen, aber dies sprengte meine Vorstellung. Internationale, nationale und nicht definierbare Speisen waren im Angebot.
Die Abteilungen “Süsses zum Frühstück” kam auch nicht zu kurz. Mein Magen war allerdings nicht auf Brownies & Co. eingestellt … der Magen amerikanischer Gäste dagegen schon. Ich fand es faszinierend was einige Gäste am frühen Morgen zu sich nehmen *smile*.
Nach dem Frühstück planten wir den weiteren Tagesablauf. Wir beschlossen uns mit einem Fahrer die Stadt nebst Sehenswürdigkeiten zeigen zu lassen. Nach kurzen Verhandlungen mit dem Concierge wurde für uns ein Fahrer von 12.00 bis 18.00 Uhr bereitgestellt. Um die 8.400 Rupie kostete dies, was umgerechnet ca. 142 Euro sind. Mag sich viel anhören, dafür fuhr uns der Fahrer überall hin und war 6 Stunden nur für uns zuständig. Hier in Deutschland wäre das unbezahlbar.
Unser erstes Ziel war der “Shri Siddhivinayak Tempel”, den wir leider nur von Aussen betrachten konnten, da es 1. keinen Parkplatz gab und 2. an diesem Dienstag irgendeine nationale Feierlichkeit statt fand, so dass der Tempel komplett überfüllt war. Hier erwartete uns die nächste Überraschung, die wir zwar erwartet hatten aber uns doch unvorbereitet traf … kaum aus dem Auto ausgestiegen standen die ersten Bettler bereits neben uns. Ich hatte mir fest vorgenommen nichts zu geben und es viel mir wahnsinnig schwer (dazu später mehr). Mehrmaliges: “No, thank you” wurde entweder nicht verstanden oder ignoriert. Etwas überfordert flüchteten wir wieder ins Auto und mussten diesen ersten Eindruck erstmal sacken lassen.
Die nächste Station war die bekannte “Laundry Mumbai’s”, offiziell “Dhobi Ghat” genannt. Dies ist eine, in einen riesigen Stein gehauene Wäscherei wo bis zu 10.000 Menschen die Wäsche von kleinen und mittleren Unternehmen und privaten Haushalten per Hand waschen. Das dies ein Knochenjob ist muss ich nicht extra erwähnen … nicht nur das die Männer den Temperaturen ohne Schutz ausgeliefert sind, sondern auch die verwendeten Chemikalien sind schädlich.
Die Wäscherei hat mich tief beeindruckt und zeigte mir wieder sehr deutlich in was für einen “Luxus” wir im Grunde leben. Was sich übrigens an jeder Ecke von Mumbai deutlich zeigte. Auch hier waren wir wieder von Bettlern umzingelt, und diese Kinderaugen werde ich nie vergessen … es tut immer noch weh, wenn ich daran denke.
Weiter ging es Richtung Süden, da wir den Shri Siddhivinayak Tempel nicht von innen sehen konnten, empfahl uns der Fahrer den “Jain Temple” zu besuchen. Hier habe ich mich mit der “Knipserei” sehr zurückgehalten, denn ich wollte die Gläubigen weder drinnen noch draussen stören. Die Schuhe mussten natürlich ausgezogen werden beim betreten des Tempels. Viele unterschiedliche Götterfiguren und unzählige Glöckchen waren innen zu sehen, sowie Gläubige die Blumen und Obst als Gabe niederlegten. Ich selbst fühlte mich wie ein Eindringlich und war überwältigt von den Farben und Details.
Danach ging es weiter zu den “Hanging Gardens” (Hängende Gärten), die in der Wohngegend von Mumbai’s Oberschicht liegen. Hier kann man herrlich entspannen und dem Trubel der Stadt zumindest zeitweise entfliehen. Gärtner formen hier aus Büschen unterschiedliche Figuren die über das gesamte Gelände zu bewundern sind. Unterhalb des Geländes sollen sich grosse Wasserspeicher befinden, die zur Bewässerung dienen. Was von Nöten ist, bei der Hitze … ich war überrascht wie Grün Mumbai sein kann. Wieder ein Gegensatz den ich nicht erwartet hatte.
Von den Hanging Gardens hat man übrigens einen fantastischen Ausblick auf die Stadt, der beeindruckend und auch etwas abschreckend zugleich ist. Die Stadt ist im ständigen Umbau und Aufbau … Kräne und Baustellen gab es unzählige und ich fragte mich ob die jemals fertig werden. Ich hätte mir diesen Ausblick gerne einmal bei Nacht angeschaut, vielleicht beim nächsten Mal *zwinker*.
Weiter ging es zum “Chhatrapati Shivaji Terminus” der bis 1996 “Victoria Terminus” hiess. Dieser Bahnhof ist einer der grössten der Welt. Ehrlich gesagt ist Selbiger von aussen der Hammer, von innen für empfindliche Nase nicht zu empfehlen. Der Geruch im Inneren inkl. Hitze hat mich aus den Socken gehauen. Ich wäre gerne die Gleise entlang gegangen um den Bahnhof zu erkundet, aber es ging beim besten Willen nicht. Auch die Bilder von aussen sind leider sehr spärlich, da wir wieder von Bettlern umzingelt wurden und mehr oder weniger die Flucht ergriffen um durchatmen zu können. Ein Besuch ist das Gebäude jedoch auf jeden Fall wert, denn diese Bausweise im Stil viktorianischer Neogotik ist wunderschön.
Vom Bahnhof ging es direkt zum Stadtteil Colaba, wo das berühmte “Gate of India” und das ebenso bekannte “Taj Mahal Palace & Tower” liegt. Dort angekommen, genoss ich die frische Meeresbrise in vollen Zügen. Es war eine der wenigen Stationen wo ich mich etwas entspannen konnte. Viele Touristen tummelten sich dort und ich sah einige “westliche” Gesichter, aber auch viele nationale Touristen waren zu sehen und ich fühlte mich nicht mehr ganz so fremd. Das Monument ist schlichtweg beeindruckend und wirklich schön. Vom Gate of India hat man übrigens die Möglichkeit mit dem Boot zur “Elephanta” Insel zu fahren. Leider wollte meine Kollegin nicht dorthin und so genossen wir den Anblick und die Luft eine ganze Weile.
Ins Taj Mahal Palace kam man übrigens nur in angemessener Kleidung rein und, so wurde uns berichtet, als Besucher sei man verpflichtet dort etwas zu essen oder zu trinken. Ob das stimmt hatten wir nicht ausprobiert, ehrlich gesagt halte ich von Nobelherbergen nicht viel, mir war schon unser Hotel zuviel des Guten *smile*. Jamshedji Tata, ein reicher Unternehmer liess das Hotel 1903 bauen, angeblich weil ihm als Perser in den anderen Hotels der Zugang verwehrt wurde.
Inzwischen war es später Nachmittag und wir wollten unbedingt noch “shoppen” … die typische Frauenkrankheit *lach*. Wir fuhren wieder Richtung Norden und nach unzähligen Geschäften, wo wir nichts passendes finden konnten, kamen wir an einem Kleidungsladen an, der sich über 4 Stockwerke erstrecke (von Aussen nicht zu erkennen). Hier gab es alles an Kleidung was das Herz begehrte und leider sprengte es mein Budget, so dass ich DüDü leider nicht den Sari mitbringen konnte.
Der Service war der Hammer schlechthin. Die Verkäufer wurden nicht müde unzählige Kleidungsstücke auf den langen Tischen zu präsentieren und ich musste Selbige richtig bremsen, damit sie nicht noch mehr ausbreiteten. Ein Sari sowie Salwar Kameez (Oberteil, Hose und Tuch) für die Lütte und einige weitere Kleidungsstücke für die Familie waren die Ausbeute.
Um einige Rupien ärmer und müde starteten wir nach der Shoppingtour den Rückweg ins Hotel und genossen den kommenden Abend am Pool. Später trafen wir uns mit Hemant (Leiter der VCS Abt. bei WNS) zu einem ersten kennen lernen und leckeren Abendessen im Hotel, wo es übrigens wieder internationale und nationale Speisen gab. Ich entschied mich für einen “klassischen” Hamburger, da ich mich an das indische Essen noch nicht traute. Der Hamburger war übrigens aus Rindfleisch und etwas anders gewürzt jedoch supi lecker.
Am Mittwoch ging dann die eigentliche Arbeit los und ich war schon sehr gespannt auf’s Team.
Fortsetzung folgt …




toller Bericht. Freu mich schon auf den nächsten Teil
Lieben Dank für die Postkarte die ich heute im Briefkasten hatte und über die ich mich total gefreut habe! Ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung Deiner Berichte!
Danke Euch Beiden, freut mich das die Berichte gefallen
@Britta … ich war mir nicht sicher ob die Karte ankommt, mir fehlte leider Deine Strasse in der Adresse und Essen ist ja nicht gerade klein
ich bin auch diesesmal wieder völlig fasziniert von Deinem Reisebericht,den Fotos und den vielen Eindrücken die Du uns als Leser vermittelst.
Gerade weil es keine typischen Bilder und Anmerkungen aus einem Reisekatalog sind sondern unverblümt und hinter den Fassaden,lasse ich mir viel Zeit beim lesen und gucken.
Wieder ein super Bericht. Einerseits wirklich Fastzinierend anderseits wirklich Erschreckend.
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